Eine Delegation aus den Partnergemeinden in Rio de Janeiro besuchte das Dekanat Schweinfurt

Als Zeichen einer lebendigen und langjährigen Freundschaft war im Juli wieder eine Delegation der evangelischen Gemeinden aus Rio de Janeiro im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Schweinfurt zu Gast. Seit Jahrzehnten verbindet beide Regionen eine enge Partnerschaft mit gegenseitigen Besuchen und intensivem Austausch. Das Dekanat Schweinfurt unterstützt dabei insbesondere die Kindertagesstätte Bom Samaritano, in der rund 100 Kinder aus den angrenzenden Favelas Elementarbildung, regelmäßige Mahlzeiten und medizinische Betreuung erhalten.
Zwei Wochen lang waren Marcio Simões da Costa (Pfarrer der Martin-Luther-Gemeinde), Lorrayne Henke (Gemeinde Esperança, Niterói), Monica Vieira Ferreira (Gemeinde Bom Pastor), Armindo Klumb (Pfarrer der Gemeinde Bom Samaritano) und Dinah Protasio Frotté (Kindertagesstätte Bom Samaritano) im Dekanat unterwegs. Das abwechslungsreiche Programm führte sie in zahlreiche Gemeinden und Einrichtungen sowie auf einen gemeinsamen Ausflug nach Erfurt, Eisenach und zur Wartburg.
Den Auftakt bildete der Kirchweihgottesdienst in Niederwerrn. Schon dort wurde deutlich, dass der Besuch weit mehr sein sollte als ein offizieller Austausch. Immer wieder standen Fragen im Mittelpunkt, die Christinnen und Christen in Brasilien und Deutschland gleichermaßen beschäftigen: Woran zeigt sich Christsein? Wie gelingt Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft? Wie gehen Kirchen mit gesellschaftlichen Veränderungen um? Und welche Verantwortung haben sie in politisch herausfordernden Zeiten?
Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch des Augustinerklosters in Erfurt. Pfarrer Bernd Prigge führte die Gruppe durch das ehemalige Kloster Martin Luthers. Am Ort der Stille im Haus der Versöhnung entwickelte sich ein intensives Gespräch über die Situation der Kirchen in Ostdeutschland und in Brasilien. Angesichts gesellschaftlicher Spannungen und der bevorstehenden Präsidentschaftswahl in Brasilien stellte sich die Frage, wie Kirche heute zugleich klar Haltung zeigen und Versöhnung ermöglichen kann.
Das Thema Migration zog sich wie ein roter Faden durch mehrere Programmpunkte. Beim Besuch des Gustav-Adolf-Kindergartens ging es um gelungene Integration im Alltag. Eindrücklich waren auch die Führung durch das Ankerzentrum sowie der Austausch im Begegnungscafé „Wern-Café“ der Diakonie und der Gemeinde Niederwerrn in Niederwerrn. Dabei wurde deutlich, dass Fragen von Flucht, Ankommen und Zusammenleben Menschen in beiden Ländern bewegen – wenn auch unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Der offene Austausch zeigte, wie bereichernd es ist, voneinander zu lernen.
Auch soziale Herausforderungen standen im Blick. In der Tagespflege der Diakonie und bei der Schweinfurter Tafel erfuhren die Gäste, dass Armut und Einsamkeit keineswegs nur Themen anderer Länder sind. Zugleich wurde über die Folgen des demografischen Wandels und die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme gesprochen.
Daneben blieb genügend Zeit, Franken kennenzulernen. In Obereisenheim führte ein Spaziergang durch die Weinberge zu einer biblischen Weinprobe, bevor die Delegation bei der Sundowner-Andacht zu Gast war und der Kirchengemeinde als Zeichen der Verbundenheit Geschenke überreichte. In Sennfeld wagten sich die Gäste selbst an fränkische Volkstänze, und ein Besuch in Bad Kissingen mit einem Konzert der Staatsbad Philharmonie durfte natürlich ebenfalls nicht fehlen.
Bei allen Unterschieden zwischen Brasilien und Deutschland wurde im Laufe der zwei Wochen immer wieder deutlich, wie ähnlich viele Herausforderungen sind. Beide Kirchen stehen vor sinkenden Mitgliederzahlen, knapper werdenden finanziellen Möglichkeiten und einer Generation von Pfarrerinnen und Pfarrern, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand geht. Umso wertvoller war der offene Erfahrungsaustausch über neue Ideen und Wege kirchlicher Arbeit.
Den Abschluss bildete ein fröhliches Begegnungsfest im Gemeindehaus in Werneck. Dort wurde noch einmal spürbar, was diese Partnerschaft seit Jahrzehnten trägt: persönliche Begegnungen und gewachsene Freundschaften. Sprachbarrieren spielten dabei kaum noch eine Rolle – Übersetzungs-Apps wurden ganz selbstverständlich genutzt. Gleichzeitig entstand der Wunsch, die persönlichen Besuche künftig durch regelmäßige Online-Begegnungen zu ergänzen.
„Genau das macht die weltweite Christenheit aus: Menschen aus ganz verschiedenen Ländern kommen zusammen, tauschen sich aus und werden Freunde“, sagte Dekan Oliver Bruckmann beim Abschied. Mit einem brasilianischen Segenslied, vielen herzlichen Umarmungen und der Gewissheit, dass zahlreiche Kontakte weiterbestehen werden, trat die Delegation am 24. Juli die Heimreise an.
Die Partnerschaft zwischen Rio de Janeiro und dem Dekanat Schweinfurt lebt von diesen Begegnungen. Sie schafft gegenseitiges Verständnis, lässt neue Freundschaften entstehen und erinnert daran, dass Kirche weit über Länder- und Sprachgrenzen hinaus eine gemeinsame Gemeinschaft ist. Und eines steht fest: Auch die Unterstützung für die Kindertagesstätte Bom Samaritano wird weitergehen.
Sie möchten für die Kindertagesstätte Bom Samaritano spenden?
Das Dekanat Schweinfurt hat sich zum Ziel gesetzt, 15.000 Euro pro Jahr zum Unterhalt der Creche beizutragen. Nur so können alle 100 Kinder versorgt werden. Wir sind dazu auf Ihre Spende genauso angewiesen wie auf Ihre Gebete und Fürbitten.Â
Auch viele kleine Beiträge ermöglichen dieser Einrichtung weiter zu existieren und den Kindern einen guten Start ins Leben zu geben!Â
Evang.-Luth. Gesamtkirchengemeinde Schweinfurt
IBAN: DE75 7935 0101 0760 0131 51
Stichwort: Kindertagesstätte Rio
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Links:
- https://www.mainpost.de/schweinfurt/landkreisschweinfurt/kirchweih-niede...
- https://www.mainpost.de/schweinfurt/stadtschweinfurt/schweinfurt-besuch-...
- https://revista.de/internationaler-besuch-in-der-tafel-sw-brasilianische...
- https://schweinfurt-news.de/besuch-aus-brasilien-beeindruckt-von-arbeit-...













































































